Return to blog
August 6, 2020

Ein Gespräch Über Sprache Und Inklusion

Vor den Ereignissen und Protesten der letzten Monate hat sich TripActions für die Förderung einer Kultur der Vielfalt, Gleichberechtigung und Integration eingesetzt. Neben dem Beitritt von Shaka Senghor, der die Initiative leiten wird, hat unser Compliance-Team angekündigt, dass es die Verwendung von Fachterminologie überprüft und unsere Sprache offiziell überarbeitet hat, um sie integrativer zu gestalten.

Shaka hat sich mit David Williamson, dem Leiter der Abteilung Governance, Risikomanagement und Compliance bei TripActions, zusammengesetzt, um über den Zusammenhang zwischen Sprache und Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion zu sprechen.

Shaka: Guten Tag, David. Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Ihnen heute Nachmittag. Sie sind der Leiter der Abteilung Governance, Risikomanagement und Compliance. Können Sie mir ein wenig darüber erzählen, was das bei TripActions bedeutet?

David: Ich bin dafür verantwortlich, dass wir vor allem die technischen Standards einhalten, z. B. die Vorschriften zum Schutz von persönlichen Informationen und Kreditkartendaten, und dass wir die technischen Risiken, die unser Unternehmen betreffen könnten, gut kennen und beherrschen.

Shaka: Vielen Dank, dass Sie das mit uns teilen. Was ich wirklich interessant fand, als ich über Ihre Position nachdachte, ist, dass Sie sich angesichts der derzeitigen Lage ganz offensichtlich zum Handeln veranlasst sahen. Wie sind Sie auf dieses spezielle Thema rund um den Gebrauch von Sprache im Zusammenhang mit Inklusion, Diskriminierung und Gleichberechtigung gestoßen?

David: Am Juneteenth kam die TripActions-Gemeinschaft zusammen und sprach über einige der Veränderungen, die überall stattfinden, und was dies für uns bedeutet. Wir haben darüber nachgedacht, was wir tun können, um einen positiven Wandel herbeizuführen. Damals erwähnten mehrere Leute die Sprache, die in der Wirtschaft und insbesondere in der Technologie immer noch verwendet wird, und wir sahen Möglichkeiten zur Verbesserung. Vor vielen Jahren wurde ich zum Beispiel zum Datenbankverwalter ausgebildet. Schon damals benutzten wir Ausdrücke, die wir aus der fernen Vergangenheit übernommen hatten, wie z. B. „Master“ und „Slave“, um uns auf Datenbanken zu beziehen. Ich weiß nicht, wie weit das zurückreicht, aber wenn man heute über diese Phrasen nachdenkt, neigen sie dazu, eine Sichtweise auf die Welt zu verewigen, die wir weder jetzt noch in Zukunft unterstützen. Wir sehen einige Möglichkeiten zu positiven Veränderungen.

Shaka: Ich fand es faszinierend, als das Gespräch aufkam. Wie waren die ersten Reaktionen von anderen Kollegen in diesem Bereich? Wurde dies als aufschlussreiche neue Information angesehen, oder war es nur etwas, was man schon so lange gemacht hatte, dass sie sich keine Gedanken darüber machten?

David: Wir alle gewöhnen uns an die Sprache, mit der wir vertraut sind. Wie auch immer wir etwas nennen, wir gewöhnen uns daran und denken nicht mehr darüber nach, was das Wort oder der Ausdruck wirklich bedeutet. Eine „Master“ (Meister)-Datenbank ist zum Beispiel eine Datenbank, die die primäre Quelle der Wahrheit ist. Dann wird jede Datenbank, die auf die Master-Datenbank verweist, als „Slave“(Sklaven)-Datenbank bezeichnet. Auf diese Weise wurde ich vor 25 Jahren als Datenbankverwalter ausgebildet. Diese Sprache wurde schon immer verwendet, um Datenbanken zu beschreiben - aber das macht sie nicht richtig. Wir nehmen uns also die Zeit, die Dinge zu benennen und darüber nachzudenken. Weil die Wörter in unserem technischen Lexikon stehen, haben viele Menschen einfach nicht darüber nachgedacht.

Shaka: Es ist erstaunlich, wie strak sich der Sprachgebrauch verändert hat. Aus „Master“ wurde also „primär“ und aus „Slave“ wurde „sekundär“. Wie sah der Prozess aus?

David: Sie können in unserer gesamten Dokumentation programmgesteuert nach Verweisen auf „Slave“ oder „Master“ oder „Blacklist“ und „Whitelist“ suchen. Wir haben uns auf einige Synonyme geeinigt, und wir werden damit beginnen, die Dokumentation und die Art und Weise, wie wir kommunizieren, zu ändern. Ich denke, wir werden uns schnell daran gewöhnen, eine inklusivere Sprache zu verwenden.

Shaka: Ich habe über andere Aspekte der Gesellschaft nachgedacht, in denen Worte mit Konnotationen verbunden sind, über die wir oft nicht sprechen - zum Beispiel der Black Monday (schwarzer Montag). Er wurde als Black Monday bezeichnet, weil er der schlimmste Tag auf dem Markt war. Dann gibt es noch das „Dark Web“ und das „Schwarzgeld“. Es gibt Verbindungen zu Massakern oder militärischen Einsätzen, die eine negative Konnotation haben. Es beeinflusst sogar so einfache Dinge wie schwarze Katzen - sie bringen Unglück, und in Filmen tragen die Bösewichte auch immer schwarz.

David: Es ist wirklich verblüffend, wenn man sich einen Moment Zeit nimmt und darüber nachdenkt, wie oft das Wort „schwarz“ für etwas verwendet wird, das als negativ angesehen wird, während alles, was mit weiß assoziiert wird, sofort als positiv angesehen wird. Es gibt „Black-Hat“- und „White-Hat“-Hacker. Die Black-Hats sind natürlich die „bösen Jungs“, die Kriminellen, die Übeltäter. Die „White Hats“ sind die „Guten“, die zur Stärkung der Sicherheit beitragen. Es ist erschreckend, wenn man sich einen Moment Zeit nimmt und darüber nachdenkt, wie der allgemeine Sprachgebrauch diese negative Assoziation mit der Farbe schwarz aufrechterhält.

Shaka: Das ist ein starkes Argument, vor allem in einer Unternehmenskultur in den Zeiten, in denen wir leben. Als schwarzer Mann in diesem Unternehmen weiß ich das sehr zu schätzen. Da frage ich mich gleich, was andere Unternehmen tun oder tun könnten. Wie können wir diese Botschaft weitergeben und sie mit anderen Unternehmen der Branche teilen?

David: Wir sehen bereits, dass zukunftsorientierte Technologieunternehmen diese Gespräche führen. Apple zum Beispiel hat die Sprache in seinen Software-Entwickler-Kits geändert und eine viel umfassendere Sprache eingeführt, und das nicht nur in Bezug auf Rasse, sondern auch auf Geschlecht und Fähigkeiten. Bei Twitter und Zillow sehen wir eine breite Unterstützung, die sich immer mehr durchsetzt. Die Menschen finden Möglichkeiten, sich zu verändern und diese Veränderungen voranzutreiben.

Shaka: Was würden Sie den Gegnern sagen, die der Meinung sind, es seien zu viel Änderungen für Dinge, die in unserer Gesellschaft sowieso schon normal sind. Warum setzen Sie das gerade jetzt um, was würden Sie den Gegnern sagen?

David: Ich habe kürzlich ein sehr gutes Zitat gehört: „Ich werde die Dinge, die ich nicht ändern kann, nicht länger akzeptieren. Ich werde die Dinge, die ich nicht akzeptieren kann, ändern“. Das mögen kleine Dinge sein, aber aus kleinen Anfängen entstehen sehr mächtige Ergebnisse. Die Menschen brauchen eine Weile, um sich an etwas Neues zu gewöhnen. Wir wollen positive Veränderungen unterstützen und niemanden kritisieren. Wir wollen mit konkreten, erkennbaren Veränderungen beginnen und sehen, was dabei herauskommt, und dann nach weiteren Verbesserungsmöglichkeiten suchen.

Shaka: Ich stimme zu. Das mögen kleine Veränderungen sein, aber in Bezug auf die Auswirkungen sind sie wirklich groß, vor allem in einem Unternehmen, das in Sachen Vielfalt, Gleichberechtigung und Integration so zukunftsorientiert ist. Was hat Sie dazu veranlasst, sich mit dem Industriestandard der nicht-inklusiven Sprache zu beschäftigen?

David: Unmittelbar im Anschluss an unsere Überlegungen zum Juneteenth gab es viele Gespräche über die Sprache, die wir verwenden, unsere Praktiken, unsere Standards und unsere Kommunikation. Wir konnten sofort erkennen, welche Begriffe wir verwendet hatten, ohne darüber nachzudenken, und die geändert werden mussten. Es ist nicht schwer, diese Dinge zu ändern. Man muss sich nur ein bisschen Mühe geben. Hier ein weiteres Beispiel: In der Technik gibt es einen so genannten „Man in the middle attack“. Ich werde mir nicht die Mühe machen zu erklären, was das bedeutet, es handelt sich jedoch um eine Sicherheitslücke. Warum ist es ein Mann in der Mitte? Warum nicht eine Person in der Mitte? Ich denke, dass wir im Hinblick auf Rasse, Geschlecht, Fähigkeiten und dergleichen bessere Arbeit leisten können. Und das hat in der gesamten Organisation große Unterstützung gefunden.

Shaka: Ich finde es sehr gut und wichtig, dass Sie sogar auf geschlechtsspezifische Vorurteile hinweisen, denn viele dieser Dinge spielen in der Gesellschaft eine große Rolle. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, wie ich als Kind auf dem Sportplatz stand und die Leute, wenn sie einen jungen Mann sahen, der den Ball nicht mit der gleichen Geschwindigkeit warf wie andere junge Männer, sagten: „Du wirfst wie ein Mädchen“. Ich habe vier Schwestern, also dachte ich: „Du hast wohl meine Schwester nicht werfen sehen.“ (lacht). Es ist jedoch wichtig, die negativen Assoziationen, die mit Farbe, Geschlecht und Sexualität verbunden sind, im Auge zu behalten. Das bringt mich zu meiner nächsten Frage zur Inklusivität: Welchen Mehrwert hat die Inklusivität für ein Unternehmen?

David: Ich glaube wirklich, dass dies zwei Dinge bewirkt. Erstens wird dadurch eine bessere Gemeinschaft innerhalb der Unternehmenskultur geschaffen, die es jedem erlaubt, so zu sein, wie er ist, ohne dass einige Gruppen anderen Gruppen vorgezogen werden. Zweitens kann sich jeder entsprechend seinem Interesse und seinen Fähigkeiten beteiligen. Es gibt viele Beispiele für Dinge, die nicht in böser Absicht getan werden, aber Teil unserer Sprache sind. Es gibt immer noch eine Menge Leute, die sich in einen Zoom-Anruf einwählen und sagen: „Okay, Männer...“ obwohl nicht jeder anwesende ein Mann ist. Wenn man jeden als „Mann“ bezeichnet, entsteht eine Dynamik, in der es „Männer“ und „andere“ gibt.

Aber es ist leicht, stattdessen „Okay, Leute...“ oder „Hey, Leute...“ oder „Team...“ zu sagen. Sobald man sich darauf konzentriert, Wege zu finden, die es jedem ermöglichen, sich als Teil des Teams und der Kultur zu fühlen, fühlen sie sich als anerkannte Mitarbeiter, ohne dass jemand als anders oder zweitrangig oder distanziert angesehen wird. Wenn Sie einmal damit angefangen haben, werden Sie feststellen, dass es nicht viel Mühe erfordert.

Shaka: Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der sich mit diesen Veränderungen, diesen gesellschaftlichen Veränderungen, diesen sprachlichen Veränderungen auf persönlicher Ebene und auf Unternehmensebene auseinandersetzen möchte?

David: Versuchen Sie, sich in die Lage eines anderen Menschen zu versetzen. Stellen Sie sich das Leben, die Erziehung und die alltäglichen Erfahrungen vor, die jemand anderes gemacht hat. Und dann denken Sie über einige der Dinge nach, die wir sagen und tun, welche Auswirkungen sie haben, wie sich diese Menschen fühlen werden, wenn sie hören: „Hey Männer, lasst uns mit einem Treffen beginnen und lasst uns die folgende Blacklist erstellen....“ Ich empfehle, sich einen Moment Zeit zu nehmen und darüber nachzudenken, wie sich die Sprache und die Praktiken, die wir verwenden, auf andere Teammitglieder auswirken, die nicht auf dieselbe Weise aufgewachsen sind. Überlegen Sie, wie andere Menschen auf diese Sprache und dieses Verhalten reagieren und sich dabei fühlen.

Shaka: Welche Ressourcen könnten für Führungskräfte, Kollegen und farbige Menschen hilfreich sein, die sich mit einigen dieser Fragen und neuen Anpassungen auseinandersetzen müssen?

David: Eines der schwierigsten Dinge für jeden Menschen ist es, die Perspektive, die Erfahrungen anderer und die Art und Weise, wie andere Menschen die Welt sehen, zu verstehen. Wir alle müssen versuchen - und das kann anfangs unangenehm sein -, die Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten, generell zu fragen: „Nun, wie denkst du über die Welt in Bezug auf ein bestimmtes Thema, oder was ist deine Ansicht und wie bist du zu dieser Ansicht gekommen?“ Wie bei allem anderen auch, wird es eine Übergangszeit geben, aber wir versuchen, uns auf etwas Neues zu konzentrieren. Dieser anfänglichen Zeitinvestition wird sich schnell auszahlen. Und wir werden dadurch nur besser.

Es kann ein wenig Zeit brauchen, um Brücken zu bauen und das Gespräch zu suchen. Aber je mehr Zeit wir damit verbringen, uns mit anderen Menschen zu verbinden, desto mehr werden wir in Zukunft eine Gemeinschaft sein. Es geht nicht mehr nur um die Sprache. Vielfalt macht stark. In meiner lebenslangen Tätigkeit in der Technologiebranche habe ich gesehen, dass unterschiedliche Perspektiven und verschiedene Ansichten, wie man ein Problem angehen kann, zu besseren Lösungen und Ergebnissen führen.

Shaka: Nun, David, es war mir ein Vergnügen und eine Freude, hier mit Ihnen zu sitzen und mich mit Ihnen zu unterhalten. Vielen Dank. Lesen Sie mehr über Shaka Senghor in unserem aktuellen Interview mit ihm.

Return to blog